zurück 

1998 / Banská Bystrica

13. IGEB Konferenz in Banská Bystrica, Slowakei, 6. bis 12. Juli 1998

Raoul f. Camus, New York/USA

Der Einladung von Vorstandsmitglied Dr. Jana Lengová folgend, wurde die 13. zweijährlich stattfindende IGEB-Konferenz in der Universitäts-Stadt Banská Bystrica, einer schönen Bergbau-Stadt mit ungefähr 80.000 Einwohnern in der bergigen Zentral-Slowakei, abgehalten. Die Teilnehmer wurden in bequemen Zimmern des Studentenwohnheims der Mateja Bela Universität untergebracht, und alle Referate wurden im Vortrags-Saal des gleichen Gebäudes gehalten. Und, sehr wichtig für die nicht-deutsch sprechenden Teilnehmer: es gab simultane Übersetzungen aller Vorträge in slowakischer und englischer Sprache.

Zwei allgemeine Themen waren angekündigt, "Blasmusik und Chor" sowie "Blasmusik in der Slowakei", darüber hinaus standen den Referenten alle relevanten Blasmusik-Themen offen. Eine Krankheit verhinderte Dr. Weyermüller leider, seine Eröffnungs-Ansprache zu halten. Mark Reimer, Danica Staššiková-Štukovská und Josef Ginzl konnten ihre angekündigten Referate leider auch nicht halten, dafür kamen zwei außerprogrammäßige Referate zum Vortrag: Leena Heikkilä aus Finnland sprach über "Holger Fransman und die finnische Horn-Schule" und Dr. Eugen Brixel hielt einen interessanten Vortrag über "Die sakrale Bläsermusik der Bruckner-Zeit". Alle weiteren Vorträge wurden wie im Mitteilungsblatt 1998/1 (April) angekündigt, einem interessierten und dankbaren Publikum präsentiert. Da diese Vorträge in einem Kongressbericht der Reihe Alta Musica veröffentlicht werden, erübrigt es sich, hier näher darauf einzugehen.

Wie es bei IGEB-Konferenzen üblich ist, gab es weit aus mehr als die Präsentation von Referaten. Es gab viele Ereignisse, über die man in den Alta musica-Bänden nichts erfährt und die es wert waren, dass man diese Konferenz besucht hat. In der Hoffnung, Mitgliedern, die noch nie eine Konferenz besucht haben, die nächste Konferenz schmackhaft zu machen, werden hier einige der interessanten Aktivitäten vorgestellt.

Zuerst übertrafen sich unsere Gastgeber darin, dass wir uns herzlich Willkommen fühlten. Die meisten Mahlzeiten wurden in der Mensa des Studentenwohnheims eingenommen und boten den Teilnehmern viele Gelegenheiten, mit alten Freunden zu plaudern und neue Kontakte zu knüpfen. Unabhängig davon was wir besichtigten oder besuchten, wurden wir als besondere Gäste behandelt und oft mit Essen und Wein oder Schnaps bewirtet. Blaskapellen sorgten überall für Unterhaltung. In Verbindung mit der schönen Landschaft war die Woche sehr zufrieden stellend.

Im Anschluss an das Eröffnungs-Referat wurde das erste Konzert der Konferenz von der Militärmusik Banská Bystrica veranstaltet, unterstützt vom Hron Chor, einer Blechblaskapelle und dem Šimon Jurovsky Bläserquintett. Das Programm enthielt Märsche, Tänze, Soli und Konzertstücke vom achtzehnten Jahrhundert bis zur Gegenwart von hauptsächlich slowakischen Komponisten. Für viele, die mit slowakischer Musik nicht so vertraut waren, waren die Werke von so berühmten Komponisten wie Ján Levoslav Bella und Karol Pádivy, um nur zwei von vielen zu erwähnen, eine Offenbarung. Die Werke für Chor und Blasmusik waren besonders wirkungsvoll.

Der nächste Tag bot außer vielen interessanten Vorträgen eine Einladung zum Empfang beim Bürgermeister von Banská Bystrica. Das Jugendblasorchester Košice gab am Hauptplatz der Stadt ein Konzert, zusammen mit Tambourmajoretten, einer Turm-Musik von der Kirche hoch über dem Platz und einer Blaskapelle, die begeistert Dixieland-Musik spielte.

Der Mittwoch Nachmittag war Besichtigungen gewidmet. Wir besuchten zuerst das Museum für Literatur und Musik in Banská Bystrica und dann stiegen wir in einen Bus, der uns in einer kurzen Fahrt zur berühmten 250 Jahre alten hölzernen Kirche in Hronsek brachte. Zunächst hörten wir eine kurze historische Einführung in die Geschichte der Kirche und jeder erhielt Postkarten zur Erinnerung. Danach wurden wir vom Bürgermeister bei Musik zu Erfrischungen und Schnaps eingeladen. Wieder im Bus, fuhren wir zunächst zum Schloss und zur Alt-Stadt von Kremnitz und dann nach Zvolen. Musik und Lieder begrüßten uns überall, einschließlich eines Konzertes mit einem Harmonie-Ensemble, das Musik von Družecky, Krommer und Mozart spielte.

Im Anschluss an die Donnerstag-Vorträge gab es ein weiteres Konzert am Hauptplatz, bei dem Volksmusik und Tanz vorgeführt wurden. Tibor Koblícek demonstrierte mehrere slowakische Volksinstrumente und spielte Soli mit einem Folklore-Ensemble aus Kubra. Das Folklore-Ensemble "Partizán" Biotika Slovenská L'upca bot lebhafteste slowakische Musik und Tänze.

Nach interessanten Vorträgen am Freitag genossen wir eine weitere Exkursion. Obwohl dies der 10. Juli war, die Mitte des Sommers, musste die geplante Reise zur Niederen Tatra wegen Schnees abgesagt werden! Wir fuhren nach Brezno, wo wir vom Bürgermeister in seinen Räumen begrüßt wurden. Nach der Begrüßung und einem Wein-Trinkspruch, erhielten wir als Gastgeschenk ein schön illustriertes gebundenes Buch mit Stadt-Ansichten und der Stadt-Geschichte, ein Buch mit vollständigen russischen, deutschen und englischen Übersetzungen. Ein Konzert mit der Blasmusik Brezno folgte auf dem Hauptplatz. Wir reisten dann nach Cierny Balog, wo wir wieder vom dortigen Bürgermeister mit Musik und weiteren Erfrischungen sowie einer Souvenir-Postkarte begrüßt wurden. Wir stiegen dann in einen alten Dampf-Zug ein, der früher von Holzfällern benutzt wurde, jetzt aber als Touristenattraktion eingesetzt wird. Der Zug machte eine Zwischenstation auf halbem Weg neben einer Lichtung in den Wäldern. Tische waren gedeckt und uns wurde traditionelles Gulasch aus einem großen Kessel serviert, das über einem offenen Feuer gekocht wurde. Vier Zigeuner-Musiker, die bereits auf dem Zug gespielt hatten, unterhielten uns, als wir in dieser idyllischen Umgebung aßen. Wir setzten anschließend die Fahrt bis ans Ende der Linie fort und stiegen in Cierny Hron in die wartenden Busse ein, die uns müde, aber sehr froh zurückbrachten.

Die Konferenz fand mit einem Empfang sowie einem Konzert der kombinierten Militärkapellen von Bratislava (Armee) und Banská Bystrica (Luftwaffe), dem Hron Chor und zwei Solisten von der Oper in Bratislava, Olga Hromadová und Ján Babjakin, in der attraktiven neuen Konzerthalle in Banská Bystrica am Samstag Abend einen festlichen Abschluss. Die Musik stammte großenteils wieder von slowakischen Komponisten und wurde geschickt und lebhaft aufgeführt, wofür die Künstler am Ende enthusiastische "Standing Ovations" bekamen.

Neben Dr. Lengová gilt vor allem Dr. Marianna Bárdiová und ihren tüchtigen Mitarbeitern besonderer Dank für die Erledigung vieler administrativer Details, sowie Adam Hudec, der nicht nur als inoffizielle Verbindung zu den zahlreichen Musikgruppen diente, sondern uns auch mit seiner eigenen schönen Musik unterhielt.

Wenn Sie nicht dabei gewesen sind, haben Sie ein großes und sehr bemerkenswertes Erlebnis versäumt. Die Organisatoren des nächsten Kongresses im Jahr 2000 werden es sicher nicht leicht haben, mit dieser Konferenz mithalten zu können.. Wenn Sie nie bei einer IGEB Konferenz gewesen sind, verpassen sie die nächste nicht - beginnen Sie schon jetzt, Ihre Pläne zu machen und kommen Sie!

[Mitteilungsblatt 1998, Doppelheft 2/3 Oktober]

zurück