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1994 / ABONY

IGEB-Kongresse sind anders!
Zu Abony/Ungarn, wo vom 10. bis 16. Juli 1994 die 11. IGEB-Konferenz stattfand.

Wolfgang Suppan, Graz/Österreich

Die Entscheidung für Abony fiel nicht leicht. Zunächst sollte die 11. Konferenz der IGEB in Keszthely am Westende des Plattensees stattfinden, wo die berühmte Festetics-Bibliothek mit zahlreichen seltenen Bläser- und Harmoniemusiknoten sich befindet (s. Musica pannonica 2). Als dann ungarischerseits statt Keszthely eben Abony vorgeschlagen wurde - und ein Besuch dort zwar eine überaus herzliche Gastfreundschaft und ideale äußere Konferenz-Bedingungen, aber kein Hotel ergab, zögerte das Präsidium der IGEB doch. Konnte man allen Konferenz-Teilnehmern denn Privatquartiere zumuten?

Nun, nachdem die Konferenz vorbei ist, kann man sagen: wir alle haben uns dort wohl gefühlt. IGEB-Kongresse sind eben auch insofern anders, als neben dem wissenschaftlichen Programm eine starke Beziehung zur Praxis besteht - und dass darüber hinaus persönliche menschliche Freundschaften aufgebaut und/oder vertieft werden. Der Kreis der Blasmusikforscher ist nicht allzu groß, und er steht auch keinesfalls im Mittelpunkt der musikwissenschaftlichen Zunft.

Der Dank gebührt voran Prof. Dr. Zoltán FALVY, dem Direktor des Musikwissenschaftlichen Instituts der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, der uns den Weg in die Háry János-Stadt Abony gewiesen hat. Weiter dem Bürgermeister von Abony, István GAJDOS, dem Leiter der Musikschule dort, György VARGA, der Franz-Liszt-Hochschule Budapest, dem Verband der Musikschulen Ungarns, den Vertretern des Komitats Szolnok, den vielen privaten Gastgebern und Helfern in Abony. Alle Bewohner der Stadt waren eingebunden in die Veranstaltungen des Kongresses, man nahm unmittelbar Anteil an allem, was an Vorträgen, Notenausstellungen, Konzerten angeboten wurde.

Als offizielles Konferenz-Orchester stand das Niederländische Nationale Jugendorchester unter der Leitung von Jan KOOPS zur Verfügung. Aber auch das Budapester Symphonische Blasorchester unter der Leitung von Lászlo MAROSI und das Musikschulorchester von Abony boten vorzügliche blasmusikalische Leistungen, darunter die Uraufführung einer neuen Komposition von Frigyes Hidas.

36 Vorträge, von Fachkollegen aus Europa, Amerika und Afrika, die in Alta Musica 18/1996 oder in der Zeitschrift Clarino zum Druck gebracht werden, sprengten beinahe die Möglichkeiten eines Kongresses, der bewusst auf Parallel-Sitzungen verzichtete. Sowohl die Referate des Hauptthemas: "Von der Harmoniemusik zum modernen symphonischen Blasorchester - Spurlinien", wie des Ungarn-Thema: "Der Tárogato", aber auch die freien Referate boten eine Fülle neuer Einsichten.

Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Hellmut Chr. MAHLING tagte die Jury des Fritz-Thelen-Preises, der im Dezember d. J. im Rahmen der Mid-West in Chicago an die beste USA-Dissertation der letzten fünf Jahre vergeben werden wird. - Eine Entscheidung über die nächste Tagung der IGEB im Juli 1996 fiel nicht; denn sowohl die von Prof. Mahling ausgesprochene Einladung des Musikwissenschaftlichen Instituts der Universität Mainz wie eine solche aus Toblach (zum Gustav Mahler-Thema) sollten noch geprüft werden.

In der Reihe erinnernswerter IGEB-Kongresse wird Abony einen besonderen Platz einnehmen. (Es gab erstmals aus solchem Anlass einen Sonderstempel der Post - s. Abbildung.)

[Mitteilungsblatt 1994/2 August]

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